Nachgefragt: Kölner Festival des politischen Kabaretts geht an den Start

Vom 04. bis 06. Mai 2011 findet das erste „Kölner Kabarett Festival“ (www.koelner-kabarett-festival.de) statt. 16 Kabarettistinnen und Kabarettisten aus ganz Deutschland treffen sich in der Domstadt, um den Krisen und der versagenden Politik etwas entgegen zu setzten: die Kraft des gesprochenen Wortes. Initiiert wurde das Festival von der Volkshochschule Köln, der DGB-Region Köln-Bonn und Robert Gries. Gabriele Hammelrath, Leiterin der VHS Köln, Andreas Kossiski, DGB-Regionsvorsitzender, und Robert Griess, Kabarettist und künstlerischer Leiter des Festivals, im Gespräch über das Festival.

Frage: Warum beteiligt sich der Kölner DGB an diesem Festival?

Andreas Kossiski: Kabarett ist eine Form der politischen Auseinandersetzung mit anderen Mitteln. Es deckt auf, klärt auf und fordert intensives Nachdenken bei den Zuhörern. Politisches Kabarett hat als „Kampf mit anderen Mitteln“ einen festen Platz bei gewerkschaftlichen Veranstaltungen in unserer Region. Wir wollen die vorhandenen Strukturen stabilisieren und zukunftsfähig machen. In Köln arbeiten und leben eine große Zahl von hervorragenden Künstlerinnen und Künstlern. Es gibt eine Vielzahl von Spielstätten und unzählige Auftritte von Kabarettisten/innen aus der gesamten Republik. Bisher fehlte aber ein Format, das politisches Kabarett in unserer Stadt bündelt und verstärkt. Mit dem neuen Festival des politischen Kabaretts haben wir gemeinsam mit der VHS Köln und Robert Griess diese Lücke geschlossen: themenorientiert, kompakt und vielfältig. Bei den Themenabenden beleuchten bis zu vier Künstler mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen und verschiedenen Ausdrucksformen jeweils ein politisches Schwerpunktthema. Das ist neu für Köln und bundesweit einmalig.

Frage: Und warum beteiligt sich die VHS?

Gabriele Hammelrath: Die VHS Köln hat einen klaren Auftrag zur politischen Bildung. In unserem Leitbild haben wir einen hohen Anspruch formuliert. Dort heißt es: „Wir sind der Aufklärung verpflichtet und fördern den Anspruch auf Selbstbestimmung. Dabei bieten wir den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit sachorientierter Information nach dem Stand wissenschaftlicher Forschung in Bezug zu setzen mit dem Ziel, Reflexion und kritische Urteilsfindung anzuregen. Wir fördern die persönliche Autonomie und Handlungsfähigkeit und bieten damit den Teilnehmenden eine Grundlage zur Mitwirkung bei der Gestaltung der gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und ökonomischen Verhältnisse.“ Vor diesem Hintergrund haben wir das Kabarett-Festival mit initiiert, weil wir mit kaum einer anderen Art der politischen Veranstaltung unserem Anspruch aus dem VHS-Leitbild einerseits und unserer Vorstellung von gelungenem Lernen andererseits so umfassend gerecht werden können. Denn wir sind fest davon überzeugt, dass Lernen Spaß machen kann – und dass mit Spaß besonders gut gelernt wird. Also: politische Bildung at its best. Und dazu noch passend zu meinem persönlichen Leitspruch zur politischen Lage, der von einem österreichischen Kabarettisten stammt und lautet: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst!“

Frage: Und an Robert Gries die gleiche Frage …

Robert Griess: Für mich ist Kabarett nicht nur die Form der intelligenten Unterhaltung schlechthin, sondern auch eine emanzipatorische Kunstform. Die Szene ist so lebendig wie vielseitig und voller kluger Köpfe, schräger Vögel, begnadetere Satiriker, fantastischer Entertainer und kritischer Alltags-Philosophen. Lachen zerstört autoritäre Denkstrukturen und festgefügte Weltbilder. Es öffnet den Geist für neue Sichtweisen. Außerdem wird scharfe Kritik viel eher angehört und akzeptiert, wenn sie unterhaltsam verpackt ist. Denn der Wert einer Idee hängt immer davon ab, wie sie vorgetragen wird. Das Problem: Dummheit kennt keine Zweifel. Die Dummen posaunen selbstbewusst ihre Dummheiten in die Welt und kriegen mehr als genug das Fernsehen als millionenfachen Verstärker dazu. Dagegen setzen wir das Live-Kabarett. Denn Kunst – auch Kleinkunst – steht immer im Kontext der aktuellen gesellschaftspolitischen Verhältnisse. Eine reine Unterhaltungs-Kunst ist eitel und kreist nur um sich selbst. Kunst – auch Kleinkunst - muss dem Geist der Aufklärung verpflichtet sein, die Perspektive von unten haben, die Mächtigen zum Lachen freigeben – sonst kann sie gleich als Partyservice anheuern, wie Jörg Fauser einmal schrieb. Deshalb die Idee für ein Festival des politischen Kabaretts. Der DGB als politische Wirkungskraft in der Gesellschaft und die VHS Köln als größte Bildungsinstitution für Erwachsene mit ihrem breitest aufgestellten Programm sind für mich die natürlichen Verbündeten des Kabaretts und ich freue mich wahnsinnig, dass wir zusammen dieses Festival auf die Beine stellen. Ich hoffe, dass wir mit dem Festival viele Menschen zum Lachen bringen und gleichzeitig zeigen können, dass Politik und Unterhaltung, Aufklärung und Spaß, Solidarität und Phantasie keine Widersprüche sind, sondern im Kabarett zusammen fließen. In diesem Sinne: Die Rückkehr des Agit Prop. Lacht kaputt, was euch kaputt macht!

Frage: Was ist das Besondere am Kölner-Kabarett-Festival?

Robert Griess: Das Besondere des Festivals sind die Themenabende. Jeder Abend des „Kölner Kabarett Festivals“ hat ein eigenes Thema, das jeweils mehrere Kabarettisten und Kabarettistinnen in ihrer ganz eigenen Art interpretieren. Der 4. Mai 2011 steht unter dem Motto „Die große Hartz IV-Gala“. Am 5. Mai 2011 wird das Thema „Krise? Welche Krise?“ auf ´s Korn genommen und am 6. Mai ist die „Schlachtplatte – die Endabrechnung“ zu sehen. Das Festival ist damit themenorientiert, kompakt und vielfältig. Es ist wie ein Brennglas, das die Auftritte von 16 Kabarettistinnen und Kabarettisten bündelt und verstärkt. Dabei kommt garantiert mehr heraus als die Summe der Einzelprogramme. Es ist aber auch eine Leistungsschau des deutschen Kabaretts und bietet den Interessierten eine einmalige Chance, in kurzer Zeit ganz unterschiedliche Kunst- und Ausdrucksformen zu sehen: von der wilden Jungen Garde, über die verdiente Alt-Avantgarde, bis zum Ensemble- und Musik-Kabarett.

Frage: Der Titel des ersten Festivals lautet „Die Rückkehr des Agit-Prop“. Warum?

Andreas Kossiski: Die Politik der schwarzgelben Bundesregierung – der Ausstieg aus dem Atomausstieg, die Wahrung von Lobby-Interessen in der Gesundheitspolitik, die Zunahme von prekärer Beschäftigung oder die Reform der Reform von der Reform von Hartz IV – hat uns zu der Überzeugung geführt, dass härtere Zeiten härtere Pointen erfordern. So ist auch der Titel „Die Rückkehr des Agit-Prop!“ entstanden. Es geht um die Kraft des gesprochenen Wortes. Wenn es eine Zeit gibt, in der politisches Kabarett besonders lebendig und relevant ist, dann ist es in Zeiten von Krisen, Umbrüchen und Veränderungen. In einer immer unübersichtlicher werdenden Welt kann Kabarett mit seiner humanistisch-aufklärerischen Werteorientierung den Dschungel der gefühlten Wirklichkeiten lichten, ohne gleich selbst ein neues Weltbild zu propagieren.

Gabriele Hammelrath: Lachen über Politik ist antiautoritär, macht Not erträglicher, nimmt Angst, ist eine Form von Galgenhumor, regt zum eigenen Nachdenken an, reflektiert die Absurdität der Zustände und legt den Keim zur Veränderung. Politisches Kabarett ist die demokratischste, aufklärerischste, emanzipatorischste Kunstform überhaupt: Jeder kann es machen. Man benötigt weder einen Apparat wie beim Theater noch eine spezielle Ausbildung wie an der Oper. Die kleinste Bühne ist ein Kasten Bier und ansonsten geht es um den direkten Dialog zwischen Kabarettist - und natürlich Kabarettistin - und Publikum. Wobei der Kabarettist oder die Kabarettistin immer nur mit dem Wissen, dem Fühlen und Denken des Publikums arbeiten kann. Sonst lacht nämlich niemand und die Kunst verpufft. Kabarett ist nah an den Empfindungen der Menschen und reflektiert aktuelles Zeitgeschehen und gegenwärtige Zustände wie keine andere Kunstform.

Frage: Gibt es schon Pläne für das zweite Kabarett-Festival?

Gabriele Hammelrath: Wir sind uns einig, dass es nicht um ein einmaliges Festival gehen soll, sondern planen jetzt schon für das folgende Jahr. Nach dem Festival ist vor dem Festival.

Robert Griess: … und mit dem dritten Festival wird es dann eine rheinische Tradition. Aber ernsthaft: Wir haben schon verschiedene Ideen, ein Begleitprogramm um das Festival zu schmieden, das Interessierte zum Mitmachen einlädt.

Andreas Kossiski: Wir wollen perspektivisch das Kabarett-Festival zu einer festen Größe des politisch-kulturellen Lebens in der Region Köln entwickeln.

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